Passend zur bevorstehenden 30 Days Challenge im Februar steht uns Ernährungswissenschaftler Christoph Somma Rede und Antwort..

Servus Christoph! Stell dich bitte kurz vor.

Mein Name ist Christoph Somma, ich bin Ernährungswissenschaftler und seit zwei Jahren mit meinem Einzelunternehmen „SCHWER MOTIVIERT“ selbstständiger Ernährungsberater. Ich habe mich auf den Crossfit-Bereich spezialisiert, weil mich die Vielseitigkeit und der Anspruch, vor allem im Profibereich, seit meinem ersten Training in einer Box vor ca. fünf Jahren fasziniert.

Ich bin sehr dankbar, dass ich bereits in dieser kurzen Zeit die Möglichkeit hatte, mit vielen spannenden Crossfit-Athleten zu arbeiten. Profis wie Maximilian Walter, Vanessa Wagner, Christoph Körner und Dominik Certov mit über 20 Trainingsstunden pro Woche stellen natürlich auch an die Ernährung besondere Ansprüche. Durch die Zusammenarbeit mit ihnen konnte ich viel lernen, und ich bin immer wieder verblüfft, was der menschliche Körper so alles kann.

Neben der Beratung von Hobby- und Profisportlern liegt mir die Arbeit mit Kindern sehr am Herzen. Ich betreue schon seit acht Jahren ein Camp für übergewichtige Kinder und unterrichte seit drei Jahren Ernährung in Volks- und Hauptschulen, Gymnasien und Polytechnischen Schulen. Da ich als Jugendlicher selbst leicht übergewichtig war, weiß ich, welche Probleme das mit sich bringt und freue mich, wenn ich einen positiven Beitrag leisten und den Kindern Obst und Gemüse schmackhaft machen kann.

Welche Rolle spielt die Ernährung im Sport allgemein und im Crossfit im Speziellen?

Für viele Hobby-, aber auch Leistungssportler ist die Ernährung noch immer das Stiefkind unter den leistungsverbesserden Maßnahmen. Ein Irrglaube, mit dem ich in meinen Beratungen aufzuräumen versuche. Natürlich haben Hobby- und Leistungssportler unterschiedliche Zielsetzungen. Den Einen geht es ums Aussehen, darum, speziell vor dem Sommer ein paar Kilos zu verlieren und hier und da Muskulatur aufzubauen. Dafür gibt es gute Tipps, die mit der nötigen Disziplin auch ohne große Abstriche zum Ziel führen. Dem Leistungssportler geht es dagegen darum, die Regeneration bis zum nächsten Training zu optimieren und bestimmte Makronährstoffe zum richtigen Zeitpunkt aufzunehmen, um keinen Raubbau am eigenen Körper zu betreiben. Oft fehlt auch die Zeit, um sich die benötigten Kilokalorien zuzuführen – da ist dann Kreativität gefragt.

Inzwischen gewinnt die Ernährung vor allem im Profisport immer mehr an Bedeutung und den Athleten wird bewusst, was schon immer mein Leitspruch war: „You can´t outtrain a bad diet!“

Viele Sportler denken, dass sie bei einem sehr hohen Trainingspensum essen können was sie wollen, da ihr Körper ohnehin genug Energie verbrennt. In Wahrheit kann aber auch ein gut trainierter Körper ohne die notwendigen Nährstoffe nie sein volles Potenzial ausschöpfen.

Ich vergleiche die Rolle der Ernährung im Sport, speziell im Crossfit, gerne mit den – meist von Männern – ungeliebten Mobility- bzw. Dehn-Einheiten. Keiner hat wirklich Bock darauf, aber wenn man sie regelmäßig in seinen Trainings- und Lebensalltag einbaut, sieht man sofort Verbesserungen. Sich darauf einlassen, lautet die Devise.

Du bietest unseren Mitgliedern regelmäßig BIA-Messungen an. Was erfährt man dabei und was nützt einem das?

Die Bioelektrische Impedanzanalyse gibt Auskunft über Körperfett, Muskelmasse, Hydrationszustand der fettfreien Masse und Gesamtkörperwasser. Zusätzlich arbeitet die BIA mit einem, vor allem für den Sport sehr wichtigen Wert: dem Phasenwinkel. Dieser gibt Aufschluss über den Zustand der eigenen Zellen. Und da die Zellstruktur wichtige Parameter wie die Regeneration und die Kraft (Explosivkraft, Maximalkraft) beeinflusst, lassen sich durch den Phasenwinkel muskuläre Disbalancen oder auch ein Übertraining feststellen. Der Wert hilft Sportlern insbesondere beim Verfolgen von Trainingsfortschritten, die nicht auf die Optik, sondern auf die Leistung bezogen sind.

Welche Frage bekommst du von (Crossfit-)Sportlern am häufigsten gestellt?

Die meistgestellte Frage im Leistungssport ist: „Wie viel sollte ich trinken?“ Viele Sportler trinken deutlich zu wenig und schieben Probleme im Training dann auf andere Faktoren oder auf spezielle Nährstoffe, statt ihr Trinkverhalten zu ändern. Dabei konnte ich alleine durch die Verbesserung ihres Trinkverhaltens – und ganz ohne Umstellungen in der Ernährung – bei vielen Athleten tolle Fortschritte beobachten. Wasser liefert uns zwar keine Energie, es ist aber ein omnipräsentes Lösungsmittel und der wichtigste Transporter für Nährstoffe in unserem Körper. Man kann die besten Nährstoffe zu sich nehmen, ohne Wasser werden sie aber nur langsam dort hinkommen, wo sie der Körper schnell benötigt. Im Hobbysport drehen sich die Fragen meist um Klassiker wie die vermeintlich „bösen Kohlenhydrate“, die für Übergewicht verantwortlich gemacht werden.

Zwar bin ich der Meinung, dass reiner Industriezucker und hoch verarbeitete Produkte in einer gesunden Ernährung nichts verloren haben, aus diesem Grund jegliche Kohlenhydrate wie Nudeln, Kartoffeln, Reis oder Brot zu verdammen, halte ich aber nicht für sinnvoll.

In erster Linie macht die Menge das Gift. Eine strenge Low Carb- oder ketogene Diät halten nur die Wenigsten wirklich lange durch, außerdem vergeht einem dabei auch der Spaß am Essen. Nicht jeder Körper reagiert gleich, deshalb gibt es auch keine Blaupause für die richtige Ernährung. Hier bin ich als Berater gefragt, den optimalen Plan für meinen Kunden und meine Kundin zu erstellen.

Hast du einen Tipp für einen guten After-Workout-Drink oder -Snack?

Wer ein hartes Training absolviert hat und mehr kriechend als aufrecht gehend in Richtung Umkleidekabine robbt, dessen Körper braucht ein paar wichtige Nährstoffe. Zuerst heißt es trinken, trinken, trinken. Da unser Körper auch nicht anfangen soll, Muskulatur abzubauen, benötigen wir in den ersten 30 bis 60 Minuten nach dem Training ein bisschen Eiweiß als Muskelschutz. Ich bin kein Fan von Pulverkost, deshalb greife ich lieber zu Milchprodukten wie Buttermilch, Cottage Cheese oder Topfen. Buttermilch finde ich besonders vorteilhaft: Mit ihrer fast isotonen Zusammensetzung in Kombination mit einer guten Menge Eiweiß schützt sie die Muskulatur und dank Natrium und Kohlenhydraten (Milchzucker) kommt das Wasser auf schnellstem Weg dorthin, wo es hin muss: in die Zelle, um die Regeneration anzukurbeln. Die optimale Erfrischung nach dem Training.

Im Februar begleitest du die Crosszone 30 Days Challenge. Was können die TeilnehmerInnen dort mitnehmen?

Die 30 Days Challenge ist eine tolle Möglichkeit, um mit einer gesunden und ausgewogenen Ernährung zu beginnen und den Stein ins rollen zu bringen. Dabei geht es aber nicht nur um die Ernährung, sondern darum, seinen ganzen Lebensstil positiv umzukrempeln – und das geht in der Gruppe wesentlich leichter.