CrossZone | Ironman 2 - Valencia

6 Uhr, auf geht’s! Der Wecker brauchte erst gar nicht zu klingeln, da ich ohnehin kaum geschlafen hatte. Erstmal Frühstück: zwei Kaffee und eine Packung Salzchips. Funktionell, denn mehr bekommt der nervöse Magen nicht mehr verdaut..

CrossZone | Ironman 2 - Valencia

Es folgt eine letzte Überprüfung meines Rades und nun auf zum Check-in in der Wechselzone. Die Wechselzone ist der Ort, an dem die Übergange vom Schwimmen zum Radfahren und vom Radfahren zum Laufen stattfinden. Alles war noch finster. In etwa 500 Athleten warteten in ihre Neoprenanzüge gezwängt auf den Start. Gegen 8 Uhr dann endlich der Sonnenaufgang. Hauptsache es war trocken, was bei dem seit zwei Tagen konstanten Regenwetter großartig war.

Wie für Spanier typisch, verspätete sich der Start um 20 Minuten.

Die erste Hürde: der 2 Meter lange Sprung vom Hafen ins Meer, ohne zu wissen, wie tief es da unten eigentlich ist.

CrossZone | Ironman 2 - Valencia

Kurz vor 9 dann endlich der Start. Zirka 100 Athleten wagten sich mit mir auf die Langdistanz.

Der Schwimmpart war von Beginn an klasse, auch wenn der Kurs stark von der Wettkampfbesprechung abwich und sehr verwirrend war. Die Spitzengruppe setzte sich schnell ab. Hinter mir blieb ein Loch, sodass ich mir  meine eigene  Ideallinie suchen musste. Nach 1:01:.. war der 3,8km lange Schwimmpart vorbei und ich war erstaunt, dass es doch so flott war.

Für das anschließende Radfahren war ich hochmotiviert. 6 Runden zu je 30km galt es zu absolvieren. Ich konnte von Anfang an Druck machen. Die selbst mitgebrachte Ernährung funktionierte Prima. Bereits nach Runde 3 hatte ich 20 Minuten auf die alte Zeit gut gemacht. Mit Kilometer 100 schlich sich jedoch langsam eine muskuläre Ermüdung ein.  Sie war zwar kaum spürbar war, spiegelte sich dennoch in der Leistung wider.

Wenig später fing der Sturm an. Er wandelte sich in Pressregen, welcher bis zum Ende des Rad-Parts nicht aufhören wollte. Grundsätzlich war es auszuhalten, wenn man sich erst einmal damit abgefunden hatte. Zumal war so gut wie kein Wind auf der Radstrecke qspürbar. Das Problem: es wurde verdammt kalt, da Arme und Rücken komplett unbewegt waren.

Nach weiteren 2,5 Stunden hörte der Regen mit dem Erreichen der Wechselzone auf. Genau rechtzeitig, die  Kälte war fast nicht mehr auszuhalten. Das war auch mitunter der Grund, warum bereits 20 Athleten aus dem Rennen ausstiegen waren. Magenprobleme, verkrampfte Muskulatur und die Kälte.

In der 2. Wechselzone angekommen, konnte ich gesamt 30 Minuten auf meine alte Radzeit gutfahren. Das war weniger als ich wollte, mehr wäre aber nicht möglich gewesen.

Mental stellte das für mich wohl den größten Motivator dar, denn nun begann der harte Teil.

Mit dem Wechsel zum Laufen, waren erst einmal ein paar mentale Hürden zu meistern. Die Füße, noch komplett verkrampft vom Radfahren, schmerzten mit jedem Schritt. Da ich mich nicht nur auf die Verpflegungsstationen verlassen wollte, versuchte ich meine Getränke mit mir zu führen. Zuerst mit Trinkgurt, dann nur mit Flasche in der Hand.  Alles nervte und war unbequem. So würde ich es zumindest im Training bezeichnen.

CrossZone | Ironman 2 - Valencia

Es galt also noch einen Marathon hinter sich zu bringen. Es schmerzte bereits ab dem 1. Kilometer, hauptsächlich im Kopf. Das ist genau der Moment, bei dem in Erinnerung gerufen bekommt, warum man sich dieses Rennen nicht allzu oft antun möchte. Ich kann nicht behaupten, dass das Rennen ab hier noch irgendwie Spaß gemacht hätte.

Die Hürde war nicht die 42,2 km zu laufen, sondern Körper und Kopf unter Kontrolle zu halten.

Sobald man vom Fahrrad steigt, gibt der Körper automatisch einen Schritt vor, den man als Amateur kaum noch beeinflussen kann. Er scheint ökonomisch zu sein, ist jedoch meist viel zu schnell. Ich habe ca 20km hinter mich  gebracht, bis ich mich zu einem Schritt bewegen konnte, der nicht mehr zu einem Lauf-Geh-Wechsel führte.

Den Zielbogen, mit jeder der 6 zu absolvierenden Laufrunden stets im Blickfeld, entfachte die dort angezeigte Rennzeit einen neuen Motivationsschub, als es in meine letzte Runde ging. Die Uhr zeigte 10:30. Es waren noch knappe 6km  zu bewältigen. Die Option unter 11 Stunden zu beenden war da. Das Verlangen danach schwand jedoch 5 Minuten später, zu groß war das Risiko jetzt noch am Ende zu explodieren. Ab jetzt galt es nur noch die gespeicherten Visualisierungen des Zieleinlaufs abzuspulen.

Mit einer Marathonzeit von 4:22h und einer Gesamtzeit von 11:05:22h beendete ich das Rennen überglücklich.

Das Besondere für mich war, dass die Zeit zur Regeneration nur ein Drittel solange dauerte, wie beim ersten Mal.

Alles in allem war mein zweiter Ironman das Highlight einer erfolgreichen Saison. Ich kann zufrieden auf die letzten Monate zurückblicken und freue mich schon darauf, was mich nächstes Jahr so erwarten wird!