CrossZone | German Throwdown 2018

„For me, honestly, it’s not about individual accomplishments, individual award. It’s about what I’ve got to do and how I can contribute to the team“ – Sheryl Swoopes (US, Basketball)

CrossZone | German Throwdown 2018

Ich, 2013

Die Geschichte beginnt mit einem jungen, übermotivierten, schwer unbeweglichen, doch kräftigen Kerl, der sich fest dazu entschlossen hat, in irgendeiner Sportart erfolgreich zu werden. Und wie es der Zufall will, traf es, durch eine Aneinanderreihung vieler Zufälle die damals sehr junge Sportart Crossfit. Die Motivation, die den jungen Mann antrieb, war die eines jeden Wettkampfsportlers: persönlicher Ehrgeiz und der innere Drang nach Bestätigung und Anerkennung. Sein Ziel: Wettkämpfe zu gewinnen und der Beste zu sein. Er war bereit alles dafür zu tun. Da unsere Sportart ja weitestgehend von körperlicher Belastungsfähigkeit abhängig ist, war er bereit, viel dafür zu riskieren und wenig auf seinen Körper zu hören. War das schlecht? Nein und Ja. Nein, weil ich dadurch enorm viel für meine persönliche Entwicklung mitgenommen habe und die Grenzen meiner Belastbarkeit kennen lernen durfte und ja, weil der Körper seinen Tribut verlangt.

CrossZone | German Throwdown 2018

Ich, 2018

Nach einigen Jahren im nationalen und internationalen Wettkampfgeschehen hat sich einiges für mich geändert. Vieles hat mit meiner Einstellung zur Sportart zu tun. Auch wenn es sehr theatralisch klingen mag, sehe ich darin einen der wichtigsten Inhalte meiner aktuellen Lebensphase. Sowohl privat als auch beruflich dreht sich alles in irgendeiner Form um Sport und zu großen Teilen um Crossfit. Warum? Weil es das ist, worüber ich mich stundenlang unterhalten kann. Weil es das ist, mit dem ich mich zu 90% meines Tages auseinandersetze.

Weil es das ist, was ich gerne mache. Weil es das ist, in dem ich meine große Leidenschaft entdeckt habe. Nicht nur meine persönliche Haltung gegenüber Wettkämpfen, sondern meine gesamte Einstellung zu dieser Sportart  hat sich stark verändert – nicht zuletzt durch viele gute Freunde, durch viele Erfahrungen, die ich gemacht habe und durch all die Athleten, die ich bislang gesehen und kennen gelernt habe.

Ein sehr wichtiger Freund hat einmal gesagt, dass es ein absoluter Luxus ist an den unterschiedlichsten europäischen Orten an Wettkämpfen teilnehmen dürfen und permanent unserer persönlichen Leidenschaft folgen zu können.

Und genau das hat sich für mich geändert. Ich möchte Spaß an dem haben, mit dem ich mich den ganzen Tag lang beschäftige. Ich möchte es genießen durch die Welt zu reisen, meine Erfahrungen zu sammeln und viele unglaublich nette Bekanntschaften zu machen. Dementsprechend hat sich auch mein Trainingsalltag geändert. Höre ich mehr auf meinen Körper? Nein – aber das ist mein persönliches Thema. Ich muss mir nichts mehr beweisen. Ich bin nicht mehr auf der Suche nach Anerkennung. Ich bin meinem Ehrgeiz nichts mehr schuldig. Bin ich deswegen schlechter als noch vor einigen Jahren? Keineswegs – eher im Gegenteil. Ich liebe es mehr denn je zu trainieren und gemeinsam mit großartigen Menschen zu schwitzen. Ich fühle mich fitter als je zuvor.

Und Wettkämpfe? Die mache ich nicht mehr nur, um zu gewinnen oder am Stockerl zu stehen, sondern aus purer Freude an der Sportart.

Darum auch Teamwettkämpfe. Ich bin mehr dazu bereit mich für andere, für das Team, aufzuopfern, als für mich selbst. Ich süchtig nach dem Gefühl mit Freunden etwas Großartiges zu erleben und es miteinander zu teilen. Natürlich ist es schön ein Wochenende mit einem Treppchenplatz zu beenden, aber auch wenn ich vierter bin genieße ich es und freue mich auf jeden einzelnen Bewerb. Das ist tatsächlich purer Luxus und ich fühle mich privilegiert es erleben zu dürfen. Bin ich alleine zu dieser Einstellung gekommen? Natürlich nicht – es bedarf einer großen Menge an wichtigen Menschen, die einem dabei helfen seine eigene persönliche Einstellung zu finden. Ich bin aktuell umgeben von einer Riege an großartigen Menschen. Dafür bin ich täglich dankbar.

CrossZone | German Throwdown 2018

Aja – da war noch was: German Throwdown 2018.

Letztes Wochenende fand mit dem German Throwdown einer der größten deutschen Wettkämpfe, in Mainz statt. Ich dufte mit einigen dieser oben besagten Freunde, dem Team ACELI neben Lisa Lettner, Laura Schreiber, Jo Neusser, teilnehmen.

Das unglaublichste an diesem Wettkampf war sicherlich die Stimmung vor Ort.

CrossZone | German Throwdown 2018

Tausend Menschen, die unmittelbar neben dem Wettkampffloor stehen und lauthals anfeuern, befähigen einen weit über die Schmerzgrenze hinaus zu gehen. Alleine Crossfit Rhein- Necker war mit einer Armada an Fans inklusive Trommeln, Megaphon und Fahnen angereist, um den eigenen Athleten, aber auch allen anderen eine unglaubliche Atmosphäre zu bieten. Die riesige Halle bebte unter den Jubelgesängen, wenn neue Bestleistungen oder starke Leistungen der Wettkämpfer geboten wurden.

Die Bewerbe selbst waren, obgleich teilweise sehr chaotisch organisiert und allen Beteiligten unklar, sehr spannend und auch fordernd. Wir selbst durften auch einige Highlights erleben. Ich habe jeden Moment im Team genossen. Sei es das Synchro-Workout, in dem Lisa permanent das Tempo von Airsquats angehoben hat, bis sich keiner mehr (inklusive ihr selbst) sicher war, ob wir hundert Wiederholungen überstehen; mein 120kg Snatch; der gemeinsame 5km-Lauf, bei dem Jo währenddessen andere Athleten mit sichtlicher Freude motivierte.

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Laura die eine unglaubliche Handstandwalk-Performance ablieferte; die richtigen Worte in Momenten, wo es einmal nicht so gut lief. Am Ende wurde unsere gemeinsame Performance auch mit einem 3. Platz belohnt. Besonders viel gab einem der gegenseitige Zuspruch, der anderen österreichischen Athleten und Fans.

Die Österreicher präsentierten sich hervorragend im international top besetzten Feld.

CrossZone | German Throwdown 2018

Die Teens Flora, Viktoria und Elias lassen uns für die Zukunft der Sportart hoffen, unsere Masterathletin Birgit die neben einer unglaublich großherzigen Art, eine unglaublich starke Lunge hat, unser Einzelstarter bei den Elite Male Dag, der eine Ruhe und Gelassenheit ausstrahlt und in den richtigen Momenten zündet, das außerordentlich vielseitige und erfahrene Team aus Wiener Neustadt und wir konnten hervorragende und beeindruckende Leistungen zeigen und auch das ein oder andere Stockerlplatzerl erreichen.

Ich bin dankbar für dieses tolle Wochenende.

Fotocredits: Birgit Chytracek Fotografie und WODandPIX