CrossZone | Vanessa Wagner's Wettkampf Vorbereitung

Vanessa Maria Wagner ist Sportwissenschafterin, Coach bzw. Personal Trainerin und nun auch professionelle Wettkampfathletin. Momentan bereitet sie sich auf das größte internationale Functional Fitness Event ihrer Sportart vor. In dem Interview erzählt Vanessa von ihrer irren Wettkampfvorbereitung, beschreibt den typischen Tag einer Profi-Athletin und verrät, worauf es in einer intensiven Phase wie dieser wirklich ankommt.

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Die Games, ein Event das seinesgleichen sucht.

Das Event bzw. die Wettkämpfe finden vom29.Juli bis 4. August 2019 in Wisconsin, USA statt. Letztes Jahr pilgerten knapp 20.000 Tagesbesucher zum Veranstaltungsort in Madison. Viele von ihnen reisten von außerhalb der USA an. Es gehört somit zu den größten Sportereignissen der Welt.
Wer hier teilnimmt, gehört zu den fittesten Sportlern der Welt.

Auch unsere Vanessa tritt an und will sich mit den Besten der Welt messen. Wir haben sie zum Interview gebeten und wollen wissen, wie sie sich auf dieses einmalige Event vorbereitet.

CrossZone | Vanessa Wagner's Wettkampf Vorbereitung

Im August ist es soweit, du fährst gen USA und nimmst am größten Event deiner Sportart teil. Wie fühlt sich das an?

Es ist wie ein Traum. Ich freue mich irrsinnig.

Es war ein langer Weg bis hierhin. Wie bist du zur Profi-Athletin geworden?

Ich war immer schon sportlich. Nach jugendlichen Ausflügen in die Leichtathletik bin ich mit 19 zum Motorsport gekommen. Im Motocross konnte ich nationale und internationale Erfolge feiern. Darüber hinaus habe ich Sportwissenschaften studiert. Sport hat also immer schon mein Leben geprägt.
Zum Functional Fitness selbst bin ich eigentlich mehr oder weniger aus Zufall gekommen. Ich habe eine Möglichkeit gesucht, mich über die Wintermonate fit zu halten. Der Hype war gerade ausgebrochen und das ganzheitliche Konzept hat mein Interesse geweckt.

Und Functional Fitness hat dich sofort überzeugt?

Es hat vor allem Spaß gemacht. Und ich dürfte auch ein gewisses Talent für den Sport mitbringen. Zumindest wurde mir das nachgesagt. Aber auch die Trainingserfolge in meinen ersten Jahren waren für meinen Aufwand beeindruckend. Das hat mich zusätzlich motiviert.

Uns so rückte Functional Fitness mehr und mehr in den Vordergrund, Motocross dafür eher in den Hintergrund.

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Seit wann bist du nun Athletin?

Hobbymäßig habe ich 2013 begonnen. Seit 2015 betreibe ich leistungsorientiert Functional Fitness und trete regelmäßig bei Wettkämpfen an.

Wie sieht dein aktueller Trainingsplan in der Wettkampfvorbereitung aus?

Mein Trainingsplan für die Wettkampfvorbereitung umfasst mehrere Teilbereiche. Die Basis bilden Weightlifting, Krafttraining und Cardio. Hinzukommen anschließend Wettkampfelemente, so genannte Strongman odd Objects, sowie Gymnastics und natürlich Techniktraining.

Mein Training momentan:

  • 2-3 mal die Woche Weightlifting
  • 3-4 mal die Woche Krafttraining (klassisch oder gymnastics strength)
  • 1-2 mal die Woche Gymnastic Skill Training
  • 4-6 klassische Workouts pro Woche

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Außerdem: So viel Cardio wie möglich. Hierzu zählt unter anderem Laufen, Radfahren und vor allem Schwimmen. Ich absolviere momentan einen Schwimmkurs, um meine Defizite in dieser Disziplin aufzuholen.

Die Strongman- und Odd Objects- Einheiten beinhalten so ziemlich alles, was man werfen, ziehen, drücken, stoßen oder einfach nur durch die Gegend schleppen kann. Statt Langhanteln oder Kettlebells wird aber auf eher „ungemütliche“ Utensilien zurückgegriffen, z. B. Fat Bars, Sandsäcke, Yokes, etc.

Um mich für den Wettkampf in Amerika vorzubereiten, fahre ich darüber hinaus noch zweimal auf Trainingslager. Dort trainieren Chris Körner und ich mit eigenem Coach und in ungewohnter Umgebung.

 Wie teilen sich deine Trainingseinheiten auf?

Ich trainiere an sechs Tagen in der Woche. Im Normalfall absolviere ich eine Einheit pro Tag, diese ist dafür recht lang – ca. 3,5h. Dienstag und Donnerstag habe ich in der Vorbereitung nun eine zweite Einheit eingeschoben.

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Beschreibe einen typischen Trainingstag.

  • 06:30: Mein Wecker klingelt. Jetzt gibt es ein proteinreiches Frühstück – aber schnell muss es gehen. Meistens ein paar Eier in die Pfanne und dazu Schinken sowie etwas Brot.
  • 07:00: Am Weg in die Zone lese ich bereits Mails und plane meinen restlichen Tag.
  • 07:30: In der Zone geht es los mit dem Gym Management. Das heißt Planungen wie Stundeneinteilungen, Organisation des Gyms, etc. – Bürokram halt.
  • 11:00: Zeit für einen kleinen Snack. Den bereite ich meistens am Vorabend zu. Die Überbleibsel werden dann am darauffolgenden Tag verputzt.
  • 12:00: Jetzt starte ich meine erste Trainingseinheit.
  • 15:30: Weiter geht’s im Büroalltag.
  • 17:00: Abends gebe ich meistens noch eine Stunde.
  • 19:00: Die zweite Trainingseinheit des Tages ruft.
  • 21:00: Kochen, essen, Vorbereitungen für den nächsten Tag treffen und dann ab ins Bett.
  • 23:00: Zapfenstreich.

Welche Rolle spielt Ernährung in der Wettkampfvorbereitung?

Kurz zusammengefasst: Viel und gesund essen, kein Alkohol und auf den eigenen Körper sowie dessen Bedürfnisse achten.

Welche Erwartungen hast du an das Event bzw. den Wettkampf?

Das ist wirklich schwer zu beantworten. Wir wissen nämlich noch recht wenig von der Organisation. Aber diese Unsicherheiten gehören dazu, die werfen mich nicht aus der Bahn. Ich habe vor allem die Erwartung, dass es ein unvergessliches Event wird. Man kennt das ja aus Dokus, Videos und Berichten – wie das Ganze dort aufgezogen wird, ist schon beeindruckend. Ich will die Erfahrung einfach aufnehmen und die Tage richtig auskosten.

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Hast du dir Ziele gesteckt?

Nein, bewusst nicht. Also keine, die irgendwelche Platzierungen beinhalten. Das macht auch keinen Sinn. Wir wissen einfach noch zu wenig vom Ablauf und den Disziplinen. Ich will meine Leistung abrufen, mein Bestes geben und die Erfahrung genießen.

Ach was soll’s… Ein Top 40 Ergebnis wäre schon richtig geil.

Welche Tipps möchtest du künftigen WettkampfathletInnen mit auf den Weg geben?

Egal, ob Profi oder Hobbysportler – achtet immer auf genügend Regeneration. Wir betreiben hier einen sehr umfassenden und komplexen Sport. Training und Regeneration müssen mit dem Alltag in Verbindung gebracht werden. Ein Coach hilft dabei, das Training und die Ziele auf die Lebensumstände anzupassen. Das ist enorm wichtig.

Darüber hinaus kann ein Coach bei Zielsetzungen unterstützen.  Es bringt nichts, unrealistische Ziele zu verfolgen. Das schafft nur Frustration und falschen Ehrgeiz, unter dem die Motivation und meistens auch die Gesundheit leiden müssen.

Über Vanessa Maria Wagner
Vanessa Maria Wagner ist Gym Managerin und Head of CrossZone 1190. Die gebürtige Südburgenländerin ist Sportwissenschafterin, Coach bzw. Personal Trainerin sowie professionelle Wettkampfathletin. Momentan bereitet sie sich auf die vor.